Was verursacht Angioödeme: 6 wichtige Auslöser und Risikofaktoren
Angioödeme sind Schwellungen, die tief unter der Haut oder den Schleimhäuten auftreten und oft schmerzhaft sein können, aber in der Regel nicht jucken. Sie können an verschiedenen Körperteilen wie Gesicht, Lippen, Augenlidern, Händen, Füßen, Genitalien oder im Verdauungstrakt und den Atemwegen erscheinen. Das Verständnis der Ursachen und Risikofaktoren ist entscheidend, um diese Zustände besser zu erkennen und zu verstehen. Es ist wichtig zu betonen, dass diese Informationen allgemeiner Natur sind und keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung ersetzen.
1. Allergische Reaktionen als häufiger Auslöser
Eine der häufigsten Ursachen für Angioödeme sind allergische Reaktionen, die oft von Nesselsucht (Urtikaria) begleitet werden. Bei dieser Form setzt der Körper als Reaktion auf Allergene Histamin und andere chemische Substanzen frei. Diese Freisetzung führt zu einer erhöhten Durchlässigkeit der Blutgefäße, was das Austreten von Flüssigkeit ins Gewebe und somit die Schwellung verursacht.
Typische allergische Auslöser können sein:
- Nahrungsmittel: Erdnüsse, Schalentiere, Milchprodukte, Eier und bestimmte Früchte.
- Insektenstiche: Insbesondere von Bienen oder Wespen.
- Medikamente: Antibiotika (z.B. Penicillin) oder nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen.
- Latex: Produkte, die Latex enthalten.
2. Medikamenteninduziertes Angioödem: ACE-Hemmer
Bestimmte Medikamente können auch Angioödeme verursachen, ohne dass eine allergische Reaktion vorliegt. Eine besonders bekannte Gruppe sind die ACE-Hemmer (Angiotensin-Converting-Enzym-Hemmer), die häufig zur Behandlung von Bluthochdruck und Herzinsuffizienz eingesetzt werden. Diese Medikamente können das Enzym hemmen, das für den Abbau von Bradykinin zuständig ist. Ein erhöhter Bradykininspiegel kann zu Angioödemen führen, die Stunden oder sogar Tage nach der Einnahme des Medikaments auftreten können und oft die Zunge, Lippen und den Rachen betreffen.
Weitere Medikamente, die Angioödeme verursachen können:
- Sartane (Angiotensin-Rezeptorblocker), seltener als ACE-Hemmer.
- Manche NSAID (Nichtsteroidale Antirheumatika) bei bestimmten Prädispositionen.
3. Hereditäres Angioödem (HAE) und Erworbenes Angioödem (AAE)
Diese Formen des Angioödems sind seltener, aber potenziell schwerwiegend, da sie oft die Atemwege betreffen können. Sie sind auf einen Mangel oder eine Funktionsstörung des C1-Esterase-Inhibitors (C1-INH) zurückzuführen, eines Proteins, das eine wichtige Rolle bei der Regulation des Komplementsystems und des Bradykininstoffwechsels spielt.
Unterschiede:
- Hereditäres Angioödem (HAE): Eine genetische Erkrankung, die in Familien vererbt wird. Symptome treten oft schon im Kindesalter auf und können durch Stress, kleinere Traumata oder Infektionen ausgelöst werden.
- Erworbenes Angioödem (AAE): Entwickelt sich später im Leben und ist oft mit anderen Erkrankungen wie Autoimmunerkrankungen oder Lymphoproliferativen Störungen verbunden, die zur Bildung von Antikörpern gegen denC1-INH führen.
4. Physikalische Auslöser und Infektionen
Manchmal können Angioödeme durch physikalische Reize oder Infektionen ausgelöst werden, insbesondere bei Menschen, die eine Prädisposition dafür haben.
Beispiele hierfür sind:
- Physikalische Reize: Druck, Kälte, Hitze, Vibration oder Sonneneinstrahlung können bei empfindlichen Personen Schwellungen hervorrufen.
- Infektionen: Bakterielle oder virale Infektionen, wie z.B. Erkältungen oder Grippe, können als Stressoren wirken und Angioödeme bei anfälligen Personen auslösen.
- Stress: Emotionaler oder physischer Stress kann bei manchen Menschen als Auslöser für Angioödem-Schübe wirken.
5. Idiopathisches Angioödem und weitere Risikofaktoren
In vielen Fällen bleibt die genaue Ursache eines Angioödems trotz umfassender Diagnostik unbekannt. Man spricht dann von einem idiopathischen Angioödem. Dies bedeutet, dass keine spezifische Allergie, Medikamentenwirkung oder genetische Veranlagung als primärer Auslöser identifiziert werden kann.
Weitere unspezifische Risikofaktoren können sein:
- Hormonelle Faktoren: Hormonelle Schwankungen, beispielsweise während des Menstruationszyklus, einer Schwangerschaft oder unter Hormonersatztherapie, können bei manchen Frauen Angioödeme beeinflussen oder auslösen.
- Alkoholkonsum: Bei manchen Personen kann Alkoholkonsum zu einer Erweiterung der Blutgefäße führen, was die Neigung zu Angioödemen verstärken kann.
- Chronische Erkrankungen: Begleiterkrankungen wie Schilddrüsenstörungen oder bestimmte Autoimmunerkrankungen können das Risiko für Angioödeme erhöhen.
6. Chronische Urtikaria und Angioödem
Chronische Urtikaria ist ein Zustand, bei dem Nesselsucht und/oder Angioödeme über einen Zeitraum von sechs Wochen oder länger auftreten, oft ohne klare Ursache. Wenn das Angioödem Teil einer chronischen Urtikaria ist, liegt die Ursache oft in einer Aktivierung von Mastzellen, die Histamin freisetzen. Bei einem Teil der Patienten wird dies durch Autoantikörper ausgelöst, die an Mastzellen oder IgE-Rezeptoren binden.
Wichtige Aspekte:
- Begleitendes Symptom: Angioödeme treten bei etwa 40-50% der Patienten mit chronischer Urtikaria auf.
- Diagnose: Oft ist eine detaillierte Anamnese und Ausschlussdiagnostik notwendig, um zugrundeliegende Autoimmunprozesse oder andere Auslöser zu identifizieren.
Zusammenfassung
Angioödeme sind Schwellungen, die durch eine Vielzahl von Faktoren verursacht werden können, von allergischen Reaktionen über Medikamentenwirkungen bis hin zu seltenen genetischen oder erworbenen Störungen. Die häufigsten Auslöser sind allergische Reaktionen auf Nahrungsmittel oder Medikamente sowie die Einnahme von ACE-Hemmern. Hereditäre und erworbene Angioödeme sind seltene, aber potenziell gefährliche Zustände, die auf Störungen des C1-Esterase-Inhibitors zurückzuführen sind. Physikalische Reize, Infektionen, hormonelle Faktoren und Stress können ebenfalls eine Rolle spielen. In vielen Fällen bleibt die Ursache unbekannt (idiopathisches Angioödem). Angioödeme können auch im Rahmen einer chronischen Urtikaria auftreten. Bei Verdacht auf Angioödeme ist es entscheidend, ärztlichen Rat einzuholen, um die genaue Ursache zu bestimmen und eine angemessene Behandlung zu erhalten.